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Der britische
Geheimdienst: »Geheime Macht in großer
Versuchung!«
Der britische Geheimdienst
hat eine lange Tradition. Schon im 16. Jahrhundert gründete Sir
Francis Walsingham eine Geheimorganisation mit dem Ziel, die
Königin vor Anschlägen zu schützen. Mit Erfolg! Elisabeth I.
blieb von Attentätern verschont, wurde aber Opfer ihrer
Schlaflosigkeit.
In der modernen Zeit bekam
der britische Geheimdienst eine weitere Ausrichtung. Die
Ermittlung von Information zum Schutze von Majestät und
Vaterland musste sich mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges
auf das restliche Europa ausweiten. Während der MI5 für das
Inland zuständig war, gründete man den MI6 für das Ausland.
Aber es galt nicht nur,
Informationen im Ausland zu sammeln, sondern die Geschehnisse
des Krieges aktiv zu beeinflussen.
Der Erfolg von
Geheimdienstarbeit lässt sich meist schwer messen. Im Ersten
Weltkrieg schaffte es der britische Geheimdienst z. B. nicht,
Agenten ins feindliche Deutschland einzuschleusen. Dafür wird
dem Geheimdienst nachgesagt, im verbündeten Russland bei der
Ermordung des Wunderheilers und Zarenberaters Rasputin Beihilfe
geleistet zu haben. Man befürchtete, dass Rasputin den Zaren
dahingehend beeinflussen würde, mit Deutschland einen
Separatfrieden zu schließen. Dies machte dann Lenin, doch
Rasputin war trotzdem tot.
Geheimdienste sind keine
Engel und unter rechtsstaatlichen Gesichtspunkten ist ihre
Arbeit stets skeptisch zu betrachten. Doch diskutiert man die
Operationen im Vorfeld im Parlament, so kann man den Dienst auch
auflösen.
Wie berichtet wird, hatte der
britische Geheimdienst auch einen Agenten in der Nähe von Adolf
Hitler. Der Agent war bestens ausgerüstet und hätte Hitler auf
seinen täglichen Spaziergängen am Obersalzberg leicht erschießen
können. Aber die britische Generalität sprach sich gegen das
Attentat aus. Begründung: Hitler war in ihren Augen ein derart
schlechter Stratege, dass man befürchtete, nach seinem Tod käme
ein klügerer Oberbefehlshaber an die Macht.
Im Kalten Krieg zeichnete
sich der MI6 besonders durch die Abwerbung von ranghohen
russischen Offizieren aus. Diese Doppelagenten brachten dem MI6
wichtige strategische Informationen über die Pläne des
kommunistischen Feindes. Aber im alten Spiel »Spion gegen Spion«
war auch der MI6 nicht vor feindlichen Doppelagenten in den
eigenen Reihen sicher. So hatte der englische Agent George Blake
Informationen über Fluchttunnel in Österreich und Berlin an die
Sowjetunion verkauft, bis er wiederum selbst von einem
polnischen Überläufer 1959 enttarnt wurde.
In Zusammenarbeit mit dem
amerikanischen CIA sorgte der MI6 in den fünfziger Jahren
dafür, den damaligen Ministerpräsidenten des Irans Mohammed Mossadegh zu stürzen. Mossadegh hatte nämlich ein paar
sozialistische Ideen zuviel. Er beabsichtigte, die
Feudalherrschaft aufzulösen und die Erdölgewinnung zu
verstaatlichen.
Acht Jahre später kam der
kongolesische Ministerpräsident Lumumba ins Visier des
Nachrichtendienstes. Lumumba sympathisierte mit der Sowjetunion.
Die Folge seines Sturzes machte den Weg für Diktator Mobutu
frei, der wegen seiner besonderen Grausamkeit berühmt wurde.
Nach dem Ende des Kalten
Krieges wurde es ruhiger um die Aktivitäten des MI6.
Aufgewacht ist man
selbstverständlich mit dem 11. September. Trotzdem konnten auch
die Terroranschläge von London 2005 vom Geheimdienst nicht
verhindert werden.
Verschwörungstheoretiker
sehen überall auf dieser Welt Geheimdienste am Werk und auf
Grund ihrer schillernden Vergangenheit ist selten etwas
unmöglich. Wenn Macht bereits korrumpiert, ist geheime Macht
eine noch größere Versuchung.
Wie alle Geheimdienste
operiert auch der britische nicht wertfrei oder aus Laune
heraus. Geheimdienstliche Aktionen sind stets Einflussnahmen der
jeweiligen politischen Machthaber. Und natürlich gilt dies auch
für das relativ harmlose, weil passive Nachrichtensammeln. Wer
nämlich viel sammelt, muss viel auswerten und interpretieren.
Sucht also die Politik nach Gründen für Interventionen und
Kriege, werden Gummipanzer zur Bedrohung und
Milchpulver-Fabriken zu Chemiewaffenproduktionsanlagen.
Zum Abschluss noch ein
kleines Bonbon:
Richard, ein Agent aus den Romanen, sagt in
»Der Siegermacher« bei einem Gespräch mit einem deutschen
Kriminalpolizisten folgendes:
»Bei meiner Firma läuft dies
anders. Erst einmal gibt es mehr Hauptverdächtige als Fälle und
zweitens sind die Fälle so geheim, dass noch nicht einmal die
Ermittler selbst etwas davon erfahren. Das geht nach dem
Prinzip: Wo wir Rauch analysieren, legen wir auch Feuer.«
Erfahren Sie mehr über die Arbeit und Möglichkeiten des Spiels
»Spion gegen Spion« in unserem
Geheimdienstlexikon.
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