Sollte je ein Geheimdienst die Telefonate zwischen dem
Buchautor
Eichenberger (Schweiz) und seinem Lektor (Deutschland) aufgezeichnet
haben, so gab es eine Menge Stoff auszuwerten. Denn wer Agentenromane schreibt,
unterhält sich über Themen wie Atomwaffenschmuggel, Terrorismus, Sprengstoff,
Rauschgift, Drogen, Mafia usw. Und natürlich unterhält man sich auf Grundlage des beim
Gesprächspartner vorhandenen Backgrounds in einem vorausgesetzten Kontext. Man erklärt einem Bekannten eben nicht
ständig: »Wir reden hier über die Romanhandlung« usw. Die Realität des
Gespräches unterscheidet sich vom Dialog im Film. Dort sagt schon einmal die
Schwester: »Du bist doch mein Bruder«, damit diejenigen, die einen Ausschnitt
verpasst haben, die Verwandtschaftsverhältnisse auch noch mitbekommen.
Das logische Ergebnis ist, die Behörde Geheimdienst sammelt eine
Menge an Datenmüll, mit dem man nichts anfangen kann bzw. der auf völlig falsche
Fährten führt.
Mit der technisch optimierten Telekommunikation
haben sich auch die Abhörmöglichkeiten auf einen hohen Grad erweitert. Die
National Security Agency (NSA), die größte nationale Sicherheitsbehörde der USA,
verwendet ihr Echelon-System als Spionagenetz zur sog. »strategischen
Fernmeldekontrolle«. Das System ermöglicht jedwede Telekommunikation, die über
Satelliten läuft, lückenlos abzuhören. Selbstverständlich wird dies nicht
gemacht, aber das computergestützte System scannt Telefongespräche und
Datenverkehr nach Schlüsselworten ab. Das ist aber nur dieser eine amerikanische
Geheimdienst mit ca. 28.000 Mitarbeitern. Jeder andere Dienst lauscht und
schnüffelt aber ebenfalls und die technischen Möglichkeiten sind in der Zwischenzeit derart
gewaltig, dass die Intelligenz geradezu zwangsläufig auf der Strecke geblieben
sein muss. Denn irgendwo am Schluss muss der Mensch zur Selektion der technisch
gewonnenen Informationen bereitstehen, seine Erkenntnis notieren und dem Dienst
mitteilen.
Aber wer viel zu sammeln in der Lage ist, muss viel
auswerten. Wir haben mit
einem amerikanischen Offizier gesprochen, der mächtig stolz darauf war, dass man
in der Lage wäre, den Funkverkehr einer landwirtschaftlichen
Produktionsgenossenschaft am Ural abzuhören. Derartiges mag den Stolz fördern,
erhöht jedoch auch die Menge des auszuwertenden Geschwätzes.
Nachrichtendienstmann Eichenberger schreibt in diesem
Zusammenhang in seinem Roman »Faule
Eier«:
»Hat
beispielsweise die eifersüchtige Ehefrau einen Detektiv engagiert, beschränken
sich dessen Mittel mental, materiell und auf Grund der normativen Kraft des
Alltags. Es ist eben sehr kostspielig, eine Zielperson über Monate hinweg
lückenlos zu observieren. Menschen gehen auch einfach stundenlang spazieren,
betreten Juweliere, um sich wichtig zu machen oder unterhalten sich über
Weltmeisterschaften im Kanufahren. Für den Beobachter sind dies jedoch alles
Informationen, die sich in Bezug auf den Abhöraufwand von den gesuchten in
keiner Weise unterscheiden. Der Informationsmüll des Alltags macht die Suche
nach der Quintessenz zur Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Dies kostet Zeit,
Kraft und Geld und eliminiert die Angreifer mit ihren Mitteln, je perfekter
diese sind, desto nachhaltiger.
Der Grad jeder Intelligenz
entscheidet sich in erster Linie mit der Selektion von überflüssigen
Informationen und nur sekundär mit deren Verarbeitung. Immer größer werden die
Mengen des gesammelten und auszuwertenden Materials und immer älter sind die bei
der Auswertung gezogenen Erkenntnisse...«
Eine Konsequenz haben jedoch die technischen Möglichkeiten.
Steht jemand im Verdacht, so ist seine Telekommunikation nahezu lückenlos
abzuschöpfen. Auf Grund der Tatsache, dass jedes Handy ständig eine
Standortmeldung zurückgibt, funktioniert sogar die Tarnung mit anonymen
Prepaid-Karten nur begrenzt. Ist das eine Handy lokalisiert, sind es z. B. die
mit Handys ausgestatteten Teilnehmer einer Pokerrunde ebenfalls. Verbrecher, die mit
einem Handy in der Tasche eine Bank überfallen, um anschließend mit dem im Auto
wartenden Komplizen zu flüchten, können sich sicher sein, dass ihr
Bewegungsprofil nachvollziehbar ist und mit etwas Aufwand man die Wohnung
jedes einzelnen herausfinden kann. Nebenbei bemerkt: Wenn die entsprechenden
Ermittlungsbehörden dieses Fahndungsmittel nicht durchgängig anwenden, ist dies
dem Grunde nach Zeugnis der Arbeitsmoral gewisser Behörden.
Um Telefongespräche oder den E-Mailverkehr abzuhören bzw.
abzuschöpfen, können Geheimdienste auf die sog.
»Wanze«
verzichten. Gleichzeitig ist der im Telefonapparat befindliche Sender ein Relikt
aus den Detektivfilmen der 70er Jahren. Doch auch schon damals bedurfte es
keiner Manipulation am Telefonapparat selbst, um entsprechende Gespräche
mitzuhören. Die Leitung und Verteilkästen außerhalb der Wohnungen und Büros sind
bis heute weitgehend ungesichert, so dass mit entsprechender Technik alle
Gespräche mitgehört, ja sogar abgefangen und umgeleitet werden konnten. Der
legendäre James Bond, der stets mit einem piependen Gerät durch die verwanzten Räume lief, war also schon damals
nicht auf der Höhe der Zeit.
Das gilt auch für Gespräche, die in Räumen geführt werden.
Jedes beliebige elektrischen Gerät, aber auch Steckdosenleisten, Lichtschalter,
Bildschirme, Elektrowecker etc., eignen sich zur Übertragung von Raumgesprächen.
Dabei werden die vom implantierten Mikrophon aufgefangenen Signale auf die
Stromleitung moduliert. Babyüberwachungsanlagen funktionieren ähnlich. Denn die
herkömmliche →
Wanze hat einige Schönheitsfehler:
Ihre Batterie hält nur begrenzt
und ihre Funksignale fallen im »Äther« auf, die Wanze wäre zu orten.
Bekommt man keinen dauerhaften Zugang ins Gebäude, ist das
Abhören von Raumgesprächen auch über Körperschallverfahren bzw. Richtmikrophone
möglich. Für Abhörzwecke genügt z. B. beim sog. Lichtstrahlverfahren ein freier
Sichtkontakt zur Fensterscheibe des entsprechenden Raumes. Die durch die
Gespräche leicht vibrierenden Scheiben (hundertstel Millimeter) modulieren einen
auf das Glas gerichteten Laserstrahl.
Dazu Eichenberger in seinem Roman
»Der
Siegermacher«:
Zimmer 312 war tatsächlich freigehalten worden.
Wahrscheinlich war das Zimmer aber verwanzt. In den Lehrfilmen der
Desinformation, besser als James-Bond-Filme bekannt, findet der Held mit einem
piepsenden Kästchen dann die Wanze. In Wirklichkeit müsste man sämtliche
elektrischen Geräte wie Radio, Wecker, Telefon, Lampen und die entsprechenden
Steckdosen aus dem Zimmer entfernen. Dann müsste man die
Klimaanlagenverblendungen ausbauen und die Lüftungsschächte inspizieren. Hat man
danach noch die Fußbodenleisten abgerissen, zwischen die Doppelfenster
Plastikfolien geklebt, die Möbel zerlegt, die Matratzen aufgeschnitten, kann man
sich zu 90 Prozent sicher sein, dass ein professioneller Dienst hier nur noch
das Klagen des Hoteldirektors über den Zustand des Zimmers vernimmt. Denn mit
Piepsern aus dem Versandhaus für Detektive kann man zum Teil noch nicht einmal
die Wanzen finden, die im selben Heft angeboten werden.
Agent Richard spart sich im Roman diesen Aufwand und wechselt
im Hotel einfach das Zimmer. Und damit hat Eichenberger auch bereits deutlich gemacht,
dass man sich gegen professionelle Dienste nur dadurch wehren kann, indem man
überraschend den Ort wechselt. Doch Vorsicht! Die Wanze kann auch mit dem
Frühstück serviert werden. Im Roman schraubt
der Agent deshalb den herein geschobenen Servierwagen des Hotels auf und findet in einem der hohlen
Stahlrohrbeine Mikrophon, Sender und Akku.
Hier noch ein allgemeiner Hinweis: Wir schreiben hier
vorwiegend über die Arbeit von Nachrichtendiensten, die in einer für sie
wichtigen Sache so verfahren könnten. Die Wahrscheinlichkeit, dass man gerade
Sie, liebe Leserin, lieber Leser, abhört, ist denkbar gering. Der
Erwartungsnutzen einer Abhöraktion ist aus der Sicht der ermittelnden Behörden,
Geheimdienste, Auftraggeber einzuschätzen. Eifersüchtige Ehepartner sind mit
anderen Maßstäben zu messen als z. B. die Kriminalpolizei, der BND oder ein
ausländischer Staat. An Verhältnisblödsinn können alle leiden.
Viele unbescholtene Menschen verschwenden aber eine Menge Zeit, Nerven und Geld, weil sie glauben, dass man
sie abhört oder bestrahlt usw. Die von manchen Detektiven angebotene
Wanzensuche ist dann ein einträgliches Geschäft. Wenn sich die Betroffenen
danach durch derart zur Schau gestellte
Abhörschutzmaßnahmen sicher fühlen, soll es ja gut sein.
Doch meist dauert es nicht lange und man glaubt, jetzt wieder Anzeichen gefunden
zu haben und nun tatsächlich belauscht oder bestrahlt zu werden. Nicht zum
Detektiv gehen, sondern zu einem guten Arzt oder Psychologen, muss dann der Ratschlag lauten.
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Und noch etwas muss in diesem Zusammenhang erwähnt werden:
Nach dem 11. September 2001 rüsteten die Staaten unter dem Vorwand der
Terroristenfahndung und Abwehr zunehmend auf und stellten die Bürger unter
Generalverdacht. Bedrohung der Freiheit, des Rechts, der körperlichen
Unversehrtheit, des Eigentums, der Unverletzlichkeit der Wohnung usw. kamen
historisch betrachtet aber bisher stets durch den Staat selbst. Der
verselbstständigt sich irgendwann und legitimiert sich durch seinen aufgebauten
Apparat. Der Staat sollte jedoch nur ein Mittel des Volkes sein und nicht
umgekehrt. Und stets kamen die Unrechtssysteme schleichend, wurden bejubelt und
Hinz und Kunz meinten, dass jetzt endlich mit den Missständen aufgeräumt werde,
sie hätten ja nichts zu verbergen.
Missliebig sind natürlich stets Minderheiten. Die Juden, die Gastarbeiter, die
Türken, die Araber, die Schwulen, die Reichen, die andern eben, auf deren Kosten
man die Zustimmung der Massen bekommt. Das Ende dieser Geschichten lautet dann stets, dass man vom Staat
irgendwann selbst als
Missstand empfunden wird und eingesperrt, gefoltert und vielleicht
umgebracht wird.
Der Angriff des 11. September wäre übrigens durch einfache
Mittel, welche die israelische Terrorabwehr längst angeordnet hat, zu vermeiden
gewesen. Die Cockpittür vor unbefugtem Zugang sichern und niemand entführt ein
Flugzeug und kann es als Bombe verwenden.