Alles über die Romane von Heinrich Eichenberger

 
Hubert W. Holzinger Verlag, Berlin - Protagonisten
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Sollte je ein Geheimdienst die Telefonate zwischen dem Buchautor Eichenberger (Schweiz) und seinem Lektor (Deutschland) aufgezeichnet haben, so gab es eine Menge Stoff auszuwerten. Denn wer Agentenromane schreibt, unterhält sich über Themen wie Atomwaffenschmuggel, Terrorismus, Sprengstoff, Rauschgift, Drogen, Mafia usw. Und natürlich unterhält man sich auf Grundlage des beim Gesprächspartner vorhandenen Backgrounds in einem vorausgesetzten Kontext. Man erklärt einem Bekannten eben nicht ständig: »Wir reden hier über die Romanhandlung« usw. Die Realität des Gespräches unterscheidet sich vom Dialog im Film. Dort sagt schon einmal die Schwester: »Du bist doch mein Bruder«, damit diejenigen, die einen Ausschnitt verpasst haben, die Verwandtschaftsverhältnisse auch noch mitbekommen.

Das logische Ergebnis ist, die Behörde Geheimdienst sammelt eine Menge an Datenmüll, mit dem man nichts anfangen kann bzw. der auf völlig falsche Fährten führt.

Mit der technisch optimierten Telekommunikation haben sich auch die Abhörmöglichkeiten auf einen hohen Grad erweitert. Die National Security Agency (NSA), die größte nationale Sicherheitsbehörde der USA, verwendet ihr Echelon-System als Spionagenetz zur sog. »strategischen Fernmeldekontrolle«. Das System ermöglicht jedwede Telekommunikation, die über Satelliten läuft, lückenlos abzuhören. Selbstverständlich wird dies nicht gemacht, aber das computergestützte System scannt Telefongespräche und Datenverkehr nach Schlüsselworten ab. Das ist aber nur dieser eine amerikanische Geheimdienst mit ca. 28.000 Mitarbeitern. Jeder andere Dienst lauscht und schnüffelt aber ebenfalls und die technischen Möglichkeiten sind in der Zwischenzeit derart gewaltig, dass die Intelligenz geradezu zwangsläufig auf der Strecke geblieben sein muss. Denn irgendwo am Schluss muss der Mensch zur Selektion der technisch gewonnenen Informationen bereitstehen, seine Erkenntnis notieren und dem Dienst mitteilen.

Aber wer viel zu sammeln in der Lage ist, muss viel auswerten. Wir haben mit einem amerikanischen Offizier gesprochen, der mächtig stolz darauf war, dass man in der Lage wäre, den Funkverkehr einer landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft am Ural abzuhören. Derartiges mag den Stolz fördern, erhöht jedoch auch die Menge des auszuwertenden Geschwätzes.

Nachrichtendienstmann Eichenberger schreibt in diesem Zusammenhang in seinem Roman »Faule Eier«:

»Hat beispielsweise die eifersüchtige Ehefrau einen Detektiv engagiert, beschränken sich dessen Mittel mental, materiell und auf Grund der normativen Kraft des Alltags. Es ist eben sehr kostspielig, eine Zielperson über Monate hinweg lückenlos zu observieren. Menschen gehen auch einfach stundenlang spazieren, betreten Juweliere, um sich wichtig zu machen oder unterhalten sich über Weltmeisterschaften im Kanufahren. Für den Beobachter sind dies jedoch alles Informationen, die sich in Bezug auf den Abhöraufwand von den gesuchten in keiner Weise unterscheiden. Der Informationsmüll des Alltags macht die Suche nach der Quintessenz zur Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Dies kostet Zeit, Kraft und Geld und eliminiert die Angreifer mit ihren Mitteln, je perfekter diese sind, desto nachhaltiger.

Der Grad jeder Intelligenz entscheidet sich in erster Linie mit der Selektion von überflüssigen Informationen und nur sekundär mit deren Verarbeitung. Immer größer werden die Mengen des gesammelten und auszuwertenden Materials und immer älter sind die bei der Auswertung gezogenen Erkenntnisse...«

Eine Konsequenz haben jedoch die technischen Möglichkeiten. Steht jemand im Verdacht, so ist seine Telekommunikation nahezu lückenlos abzuschöpfen. Auf Grund der Tatsache, dass jedes Handy ständig eine Standortmeldung zurückgibt, funktioniert sogar die Tarnung mit anonymen Prepaid-Karten nur begrenzt. Ist das eine Handy lokalisiert, sind es z. B. die mit Handys ausgestatteten Teilnehmer einer Pokerrunde ebenfalls. Verbrecher, die mit einem Handy in der Tasche eine Bank überfallen, um anschließend mit dem im Auto wartenden Komplizen zu flüchten, können sich sicher sein, dass ihr Bewegungsprofil nachvollziehbar ist und mit etwas Aufwand man die Wohnung jedes einzelnen herausfinden kann. Nebenbei bemerkt: Wenn die entsprechenden Ermittlungsbehörden dieses Fahndungsmittel nicht durchgängig anwenden, ist dies dem Grunde nach Zeugnis der Arbeitsmoral gewisser Behörden.

Um Telefongespräche oder den E-Mailverkehr abzuhören bzw. abzuschöpfen, können Geheimdienste auf die sog. »Wanze« verzichten. Gleichzeitig ist der im Telefonapparat befindliche Sender ein Relikt aus den Detektivfilmen der 70er Jahren. Doch auch schon damals bedurfte es keiner Manipulation am Telefonapparat selbst, um entsprechende Gespräche mitzuhören. Die Leitung und Verteilkästen außerhalb der Wohnungen und Büros sind bis heute weitgehend ungesichert, so dass mit entsprechender Technik alle Gespräche mitgehört, ja sogar abgefangen und umgeleitet werden konnten. Der legendäre James Bond, der stets mit einem piependen Gerät durch die verwanzten Räume lief, war also schon damals nicht auf der Höhe der Zeit.

Das gilt auch für Gespräche, die in Räumen geführt werden. Jedes beliebige elektrischen Gerät, aber auch Steckdosenleisten, Lichtschalter, Bildschirme, Elektrowecker etc., eignen sich zur Übertragung von Raumgesprächen. Dabei werden die vom implantierten Mikrophon aufgefangenen Signale auf die Stromleitung moduliert. Babyüberwachungsanlagen funktionieren ähnlich. Denn die herkömmliche → Wanze hat einige Schönheitsfehler: Ihre Batterie hält nur begrenzt und ihre Funksignale fallen im »Äther« auf, die Wanze wäre zu orten.

Bekommt man keinen dauerhaften Zugang ins Gebäude, ist das Abhören von Raumgesprächen auch über Körperschallverfahren bzw. Richtmikrophone möglich. Für Abhörzwecke genügt z. B. beim sog. Lichtstrahlverfahren ein freier Sichtkontakt zur Fensterscheibe des entsprechenden Raumes. Die durch die Gespräche leicht vibrierenden Scheiben (hundertstel Millimeter) modulieren einen auf das Glas gerichteten Laserstrahl.

Dazu Eichenberger in seinem Roman »Der Siegermacher«:

Zimmer 312 war tatsächlich freigehalten worden. Wahrscheinlich war das Zimmer aber verwanzt. In den Lehrfilmen der Desinformation, besser als James-Bond-Filme bekannt, findet der Held mit einem piepsenden Kästchen dann die Wanze. In Wirklichkeit müsste man sämtliche elektrischen Geräte wie Radio, Wecker, Telefon, Lampen und die entsprechenden Steckdosen aus dem Zimmer entfernen. Dann müsste man die Klimaanlagenverblendungen ausbauen und die Lüftungsschächte inspizieren. Hat man danach noch die Fußbodenleisten abgerissen, zwischen die Doppelfenster Plastikfolien geklebt, die Möbel zerlegt, die Matratzen aufgeschnitten, kann man sich zu 90 Prozent sicher sein, dass ein professioneller Dienst hier nur noch das Klagen des Hoteldirektors über den Zustand des Zimmers vernimmt. Denn mit Piepsern aus dem Versandhaus für Detektive kann man zum Teil noch nicht einmal die Wanzen finden, die im selben Heft angeboten werden.

Agent Richard spart sich im Roman diesen Aufwand und wechselt im Hotel einfach das Zimmer. Und damit hat Eichenberger auch bereits deutlich gemacht, dass man sich gegen professionelle Dienste nur dadurch wehren kann, indem man überraschend den Ort wechselt. Doch Vorsicht! Die Wanze kann auch mit dem Frühstück serviert werden. Im Roman schraubt der Agent deshalb den herein geschobenen Servierwagen des Hotels auf und findet in einem der hohlen Stahlrohrbeine Mikrophon, Sender und Akku.

Hier noch ein allgemeiner Hinweis: Wir schreiben hier vorwiegend über die Arbeit von Nachrichtendiensten, die in einer für sie wichtigen Sache so verfahren könnten. Die Wahrscheinlichkeit, dass man gerade Sie, liebe Leserin, lieber Leser, abhört, ist denkbar gering. Der Erwartungsnutzen einer Abhöraktion ist aus der Sicht der ermittelnden Behörden, Geheimdienste, Auftraggeber einzuschätzen. Eifersüchtige Ehepartner sind mit anderen Maßstäben zu messen als z. B. die Kriminalpolizei, der BND oder ein ausländischer Staat. An Verhältnisblödsinn können alle leiden.

Viele unbescholtene Menschen verschwenden aber eine Menge Zeit, Nerven und Geld, weil sie glauben, dass man sie abhört oder bestrahlt usw. Die von manchen Detektiven angebotene Wanzensuche ist dann ein einträgliches Geschäft. Wenn sich die Betroffenen danach durch derart zur Schau gestellte Abhörschutzmaßnahmen sicher fühlen, soll es ja gut sein. Doch meist dauert es nicht lange und man glaubt, jetzt wieder Anzeichen gefunden zu haben und nun tatsächlich belauscht oder bestrahlt zu werden. Nicht zum Detektiv gehen, sondern zu einem guten Arzt oder Psychologen, muss dann der Ratschlag lauten.

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Und noch etwas muss in diesem Zusammenhang erwähnt werden: Nach dem 11. September 2001 rüsteten die Staaten unter dem Vorwand der Terroristenfahndung und Abwehr zunehmend auf und stellten die Bürger unter Generalverdacht. Bedrohung der Freiheit, des Rechts, der körperlichen Unversehrtheit, des Eigentums, der Unverletzlichkeit der Wohnung usw. kamen historisch betrachtet aber bisher stets durch den Staat selbst. Der verselbstständigt sich irgendwann und legitimiert sich durch seinen aufgebauten Apparat. Der Staat sollte jedoch nur ein Mittel des Volkes sein und nicht umgekehrt. Und stets kamen die Unrechtssysteme schleichend, wurden bejubelt und Hinz und Kunz meinten, dass jetzt endlich mit den Missständen aufgeräumt werde, sie hätten ja nichts zu verbergen. Missliebig sind natürlich stets Minderheiten. Die Juden, die Gastarbeiter, die Türken, die Araber, die Schwulen, die Reichen, die andern eben, auf deren Kosten man die Zustimmung der Massen bekommt. Das Ende dieser Geschichten lautet dann stets, dass man vom Staat irgendwann selbst als Missstand empfunden wird und eingesperrt, gefoltert und vielleicht umgebracht wird.

Der Angriff des 11. September wäre übrigens durch einfache Mittel, welche die israelische Terrorabwehr längst angeordnet hat, zu vermeiden gewesen. Die Cockpittür vor unbefugtem Zugang sichern und niemand entführt ein Flugzeug und kann es als Bombe verwenden.

 

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