»Mit Desinformation bezeichnet
man die Verbreitung falscher oder irreführender Informationen. Motivation der
Desinformation ist, wenn sie nicht tatsächlich irrtümlich geschieht, die
Beeinflussung der öffentlichen Meinung oder die Beeinflussung von Gruppen oder
potenziellen Käufern, wobei möglicherweise die bewusste Irreführung nur von der
obersten zuständigen Ebene geplant und entschieden wird und z. B. Massenmedien
z. T. selbst in die Irre geführt werden und diese Falschinformationen in evtl.
guter Absicht verbreiten. [...]
Desinformation kommt besonders
häufig in totalitären Systemen vor. In Ländern mit freier, pluralistischer
Presse ist Desinformation um einiges erschwert, da sie enttarnt und durch
Recherche widerlegt werden kann; sie findet jedoch auch hier regelmäßig von
verschiedensten Seiten statt, muss aber um einiges subtiler betrieben werden, um
langfristig Erfolg zu haben. So wendet etwa die amerikanische Regierung zur
Verschleierung von verdeckten Operationen ihrer Geheimdienste gegenüber der
Öffentlichkeit das Konzept der Glaubhaften Abstreitbarkeit (engl. plausible deniablity) an«, schreibt u. a. Wikipedia.
Wir glauben
allerdings, dass die Häufigkeitsverteilung umgekehrt ist. Besonders häufig sind
Bürger der freien Welt Opfer von Desinformationsstrategien.
Das totalitäre
Regime hat nur die Diktatoren als mögliche Quellen der Desinformation. In
pluralistischen Gesellschaftsordnungen dagegen gibt es eine Vielzahl von
Akteuren, die mit dem Mittel der Desinformation bestimmte Ziele verfolgen
können. Sind Geheimdienste involviert, so handeln sie im Auftrag ihrer
Regierungen oder zur Abwehr gegnerischer Maßnahmen oder auf Grund sich
eingebildeter Omnipotenz irgendeiner Figur. Das kann ein Hauptabteilungsleiter
im Dienst selbst oder ein Politiker sein. Alles ist möglich, arbeitet man auch
innerhalb einer Behörde verdeckt.
Der
Wirtschaftsnobelpreisträger Milton Friedman
diskutiert in seinem Buch »Kapitalismus und Freiheit« die Frage, inwieweit man
im Sozialismus in der Lage wäre, gegen diesen zu opponieren. Friedman macht eine
derartige Agitation an wirtschaftlichen Aspekten fest und kommt zu dem Schluss,
dass der Zentralplan dem Individuum nicht die Möglichkeit einräume, z. B. ein
entsprechendes Buch herauszugeben. Weil der Wert eines Produktes ja nicht durch
das Individuum, sondern von den Herrschenden bestimmt wird. Im Gegensatz dazu,
schreibt Friedman, bräuchte ein Gegner des Kapitalismus lediglich einen einzigen
Reichen (z. B. einen Verleger) davon zu überzeugen, dass dieses Buch oder
Propagandaprojekt ihm eine hohe Rendite einbringen würde und schon wäre das
Projekt geboren. Und wohlgemerkt, der Finanzier des Buches oder des Projekts
muss nicht davon überzeugt sein, dass die Idee gut, stichhaltig, wahr oder sonst
eine Eigenschaft hätte. Er muss nur von den
Renditechancen überzeugt werden. Eine darauf zu entwickelnde, gute
Marketingstrategie ist wiederum Folge der Renditeaussichten und keinesfalls
Ausdruck irgendeiner anderen Überzeugung. Dem Bürger erscheint aber die gute
Marketing- und PR-Aussage nicht als Renditeverlangen, sondern als Bekundung einer
Überzeugung, in die man viel Geld investierte.
Wenn man in dieser
Argumentationsfolge die politischen, kulturellen oder gesellschaftlichen
Diskussionen der Vergangenheit und der Gegenwart auf den wirtschaftlichen Erfolg
reduziert, wird man einerseits nur schwer noch die Urheber finden, andererseits
auf Grund der sich gebildeten eigenen Meinung nicht glauben wollen, dass an vielen »Wahrheiten«
nicht viel Wahres dran ist. Anders formuliert: Desinformation hat zur Folge,
dass die Zielpersonen annehmen, sich von dem Wahrheitsgehalt bestimmter Aussagen
überzeugt zu haben. (Und das ist bereits ein wesentlicher Unterschied zur
Wirkung von Propaganda in totalitären Staaten.)
Ist eine genügende
Masse an Menschen in einer Demokratie von etwas (auch fälschlicherweise)
überzeugt, werden die auf Wiederwahl angewiesenen Politiker diese Überzeugung
adaptieren und damit die Desinformation verstärken, auch wenn sie nicht selbst
Urheber der Desinformation sind.
Wer z. B. kein Klimaforscher ist, wird wissen wollen,
dass sich die Klimaforscher einig wären, dass wir auf eine Erderwärmung in Folge
der Kohlendioxid-Emissionen zusteuern. Doch es gibt unter den Klimaforschern
keine Einigkeit. Manche ernsthafte
Wissenschaftler befürchten nämlich, dass sich das Klima auf eine neue Eiszeit zu bewegt.
Und das sind keine bestochenen Elemente der Erdöl-Atom-Lobby. (Vgl.
http://wkserv.met.fu-berlin.de/Beilagen/2009/WK_SO_03_09_1.pdf)
Aber natürlich ergreifen nun sofort irgendwelche Leser
Partei. Vielleicht betrachten es manche bereits als Desinformation, nur darauf
hinzuweisen, dass es keine Einigkeit unter den Klimaforschern gibt.
Und genau so wirkt Desinformation!
Allerdings sollte
man Desinformation nicht mit Propaganda verwechseln oder mit dem Grad der
Informationsmenge. Das totalitäre Regime wird sehr viele Meinungen und Informationen
zu unterdrücken versuchen, während dies in freien Gesellschaftsordnungen
schwieriger ist, aber ebenfalls nicht unmöglich.
Desinformation ist
nämlich nicht die Aussage, die man glaubt oder nicht glaubt, sondern die
falsche Information, welche die Empfänger als wahr verifiziert haben.
(Siehe aber auch unter dem Stichwort →
Legende die Abgrenzung zu Lügen.)
Desinformation
ist die Kunst, andere dazu zu überreden, sich von etwas Bestimmten zu
überzeugen.
Unter dem
Gesichtspunkt der Desinformation kommt es dann nicht darauf an, ob z. B. die
eifersüchtige Ehefrau fragt, ob der Mann wieder diese bestimmte Frau getroffen
hätte, sondern darauf, dass sie keinen Grund erkennt, derartiges zu fragen. Hat
der Mann also der Frau erzählt, er wäre auf einer Tagung gewesen, obwohl er mit
einer Freundin unter der Dusche stand und die Seife suchte, ist der Anruf eines
fingierten Tagungshotels bei der Frau, der Gatte hätte einen Teil seiner Tagungsunterlagen
liegen lassen, eine Aufforderung, zu der Überzeugung zu kommen, dass alles wahr
sein müsse. Und nebenbei bemerkt: Bei dieser Desinformation wird das Opfer zum
Helfer umfunktioniert. Die Frau wird zur Problemlösung arrangiert und zementiert
damit ihre eigene Fehlvorstellung. Die Frau bestätigt nochmals die
heimatliche Adresse und bekommt die (fingierten) Unterlagen per Post
zugeschickt. Scheinbar hat sie es jetzt schriftlich, dass ihr Gatte auf einer
Tagung war.
Interesse an
Desinformation haben alle, die daraus einen Nutzen ziehen können. Und das sind
nicht nur Regierungen, Parteien, einzelne Politiker, Interessensverbände,
Behörden (sehr oft die Finanzbehörden), Glaubensgemeinschaften und
Privatpersonen, sondern sehr schnell eine Masse von Profiteuren, Verwertern,
Interpreten aus der zweiten Reihe.
Der Artikel, dass die Welt untergeht,
verkauft sich eben besser als ein Interview mit der Sozialministerin.
Je mehr Leute sich
überzeugt zeigen, dass eine bestimmte Information wahr wäre, desto mehr Leute
haben in diese Überzeugung investiert: gedanklich, argumentativ, monetär. So
setzt ein Beharrungsvermögen ein und man sucht bei gegenteiligen Informationen
sofort Gründe, den entsprechenden »Störer des Meinungsfriedens« unglaubwürdig
erscheinen zu lassen. Man spricht nicht von ungefähr von »Auffassung« und
»Meinungsbildung«. Die Verben fassen und bilden sind im handwerklichen Bereich Tätigkeiten,
also Investitionen an Kraft und Zeit. Kein Wunder, dass man einmal Gefasstes nur ungern
wieder loslassen will. (Angler und Babys werden dies bestätigen können.) Dass
man sich zur Meinungsbildung ungeeigneter Mittel und Quellen bediente, kommt den Desinformierten überhaupt nicht in den Sinn.
Rückwärtige
Fäulnis schafft Vertrauen
Nur wer die
Merkmale und Mechanismen der Desinformation kennt, wird wissen, dass die
naheliegenden und präsentierten Mittel, eine bestimmte Aussage auf wahr oder
nicht wahr zu überprüfen, Mittel der Desinformation selbst sind und deshalb
diese immer wieder als wahr bestätigen werden.
Während der Lügner
selbst behauptet, lässt die Desinformation behaupten.
Die meisten
Informationen können die Informationsempfänger jedoch mit ihren Mitteln überhaupt nicht
überprüfen. Eine beliebte Methode der Desinformation besteht darin, Beweismittel
anzubieten, die ohne spezifisches Fachwissen der Betroffenen selbst nicht
überprüft werden können.
Ein nahezu
perfektes Mittel dafür ist die Statistik. (Im Kalten Krieg stellte man z. B. die
Waffen der UdSSR denen der USA gegenüber und der Laie war von der Überlegenheit
der Sowjetunion überzeugt.)
Oftmals ist Statistik auch für Akademiker ein Buch
mit sieben Siegeln. Und musste man sich während des Studiums damit befassen, hat
man die Grundlagen bald wieder vergessen.
So ist es leicht,
mit konkreten Prozentzahlen irgendetwas angeblich zu beweisen. Im
gesellschaftlichen Diskurs operieren die jeweiligen Interessensgruppen mit sog.
repräsentativen Umfragen. Für viel Geld werden bei Meinungsforschungsinstituten
Umfragen in Auftrag gegeben und deren Ergebnisse den Laien präsentiert.
Wie z. B. etwa 1.300
befragte Personen ca. 40 Millionen Bürgern repräsentieren können (das sind 0,0033
Prozent), wird einem mathematischen Laien erst dann bewusst, wenn man ihn fragt,
ob er meine, dass 10 blind aus einem Sack gezogene farbige Kugeln die
Farbzusammensetzung von 300.000 Kugeln
im Sack repräsentieren würden.
Was schnell
offensichtlich wird, tünchen die Desinformationsstrategen mit dem Terminus
»gewichtete Stichprobe«. Man will glauben machen, dass die Einzelbefragungen
nach Herkunft, Beruf, Stand, Alter und Einkommen auf die entsprechenden
soziologischen Daten hochgerechnet werden. Doch auch dies funktionierte nicht,
weil bereits wenige Kriterien zu über 1.000 Schichtungsmöglichkeiten anwachsen.
(Ein armer und ein reicher Fensterputzer und ein junger sowie ein alter, einer
in Bayern und der andere aus Bremen ergeben bereits acht
Schichtungsunterschiede.)
Wenn z. B.
Wahlprognosen (nicht zu verwechseln mit Hochrechnungen) dann trotzdem für
bestimmte Parteien manchmal in etwa stimmen, so hat dies nichts mit der Umfrage
zu tun, sondern mit dem unwissenschaftlichen Hokuspokus, den die
Meinungsforschungsinstitute hinter den Kulissen betreiben. Die Befragungen
spielen nämlich keine wirkliche Rolle, sondern man vertraut auf eine gewisse
Stabilität der Wähler und schreibt diese je nach Stimmung in die eine oder andere
Richtung fort. Richtige Ergebnisse sind deshalb Zufall. Und die Hinweise auf die
Umfragen sind die Nebelkerzen, welche die Desinformation als Wahrheit zementieren
sollen. Da nur eine dieser Umfragen alle vier Jahre tatsächlich auf ihren
Wahrheitsgehalt überprüft werden kann, weil auch tatsächlich Wahlen sind,
erzählt man seit Jahren die Geschichte vom »sprunghaften Wechselwähler«.
(Vgl. dazu
»Meinungsforschung: Wissenschaft oder Lotterie?«, Dr. Markus Bohn, Kornwestheim,
06.03.1988)
Im medizinischen Bereich sind die Fehlvorstellungen noch
weitaus gravierender und vor allem gefährlicher. Dass eine bestimmte Medikation
das Herzinfarktrisiko um 60 Prozent verringert, freut die Patienten. Würde der
gleiche Informationsgeber dazu sagen, dass sich dadurch die Lebenserwartung
nicht erhöht, weil die Menschen stattdessen an Krebs sterben, die Freude wäre erloschen
und das Desinformationsziel (Medikamentenverkauf) der Publikation verfehlt.
Die Überprüfung von
Informationen ist eine Frage von Macht und Wissen. Dabei überschätzen Menschen
generell
- die Verpflichtung
des Informationsgebers zur differenzierten Aussage
- die Verpflichtung
zur Wahrheit
- die
Schwierigkeiten des Gegenbeweises
- die Straffreiheit
des Belassens von Fehlvorstellungen
- die Fähigkeiten der
Informationsvermittler (Medien, Journalisten etc.)
Eine über eine
Nachrichtenagentur verbreitete Meldung hat gute Chancen, über unterschiedliche
Medien gleich mehrfach zu den Informationsempfängern zu gelangen. Erfolgt die Überprüfung auf den
Wahrheitsgehalt der Meldung dadurch, dass man sich über unterschiedliche Medien
informiert, verifiziert man bestenfalls die Halbwahrheit mit der Halbwahrheit.
Auch unterschiedliche Experten zu der Thematik befragt, machen die Sache nicht besser,
weil der Journalist in der Regel die Experten mit der Information konfrontiert
und um schnelle Stellungnahme bittet. Der sog. Experte ist dann wiederum Opfer
der ursprünglichen Desinformation. Und sei seine diesbezügliche Stellungnahme
noch so vorsichtig und differenziert, bereits sein Name und seine
wissenschaftliche Reputation machen ihn zum (gefühlten) Zeugen eines
Sachverhalts, den er in Wirklichkeit überhaupt nicht bezeugen kann.
Es sind die
fortdauernden Veröffentlichungen von scheinbar Konkretem (Umfragen), das nicht
konkret sein kann, es sind die ständige Auslassungen von Wesentlichem, das die
Kernaussagen relativieren, wenn nicht aufheben würde, die Vertrauen schaffen.
Auch ein Apfel kann
fotografiert werden, ohne dass die faule Stelle auf der Rückseite zu sehen ist.
Die Perspektiven vorne, rechts, links, Mitte und der Sonderbericht »Alles von
vorn!« zeigen aber auch in der 100. Wiederholung die faule Stelle nicht.
Desinformation ist behaupten lassen
Während die
Meinungsumfrage angebliche Mehrheiten behaupten lässt, also sich eines
demokratischen Anscheins bedient, lassen Bilder die Wirklichkeit behaupten. Das
Bild des obigen Apfels braucht deshalb niemand zu fälschen, noch nicht einmal
der Fotograf muss korrumpiert werden.
Generell behauptet
bei der Fotografie nicht das fehlbare Individuum die dumme Masse, sondern die Wirklichkeit.
Gleichzeitig ist die Behauptung eines Bildes eindrucksvoller als jeder Text.
Zeigte z. B. der amerikanische Präsident ein Foto eines
Aufklärungssatelliten und darauf wäre Donald Duck zu sehen, dann brauchte er nur
noch zu sagen: »Wir haben ihn gefunden!« Zeigte das Bild aber eine
Giftgasfabrik im Vatikan, müsste er dies den Fernsehzuschauern zuerst erläutern. Denn
die Laien würden ohne entsprechende Erklärung die Aufnahme nicht als Giftgasfabrik erkennen.
Bereits diese Banalität ist den Betrachtern von Bildern nicht bewusst.
Da Bild und
Erklärung eins werden, entsteht unmittelbar der Eindruck, dass hier
eindrucksvolle Tatsachen
vorliegen. Werden Bilder mit Zeichnungen und Montagen abgewechselt, können Laien
in ihrem Bewusstsein die Zeichnung und Montage vom Bild nicht mehr trennen. So
wird den Texten, Zeichnungen und Bildmontagen der gleiche Wirklichkeitsgehalt
zugebilligt wie der Fotografie, welche man ohne Erläuterung überhaupt nicht
erkannt und verstanden hätte.
Die Frage lautet
deshalb nicht, stimmt der Text zum Bild, sondern: Warum zeigt der Präsident dieses
Bild der Öffentlichkeit?
Es gibt eigentlich
keinen triftigen und rechtschaffenen Grund, ein derartiges Bild zu
veröffentlichen. Denn der Papst hat ein Telefon wie die anderen Regierungschefs
ebenfalls. Wer keinen Krieg will und auch sonst keine unehrenhafte Absichten
verfolgt, braucht die Öffentlichkeit nicht zu mobilisieren. Denn die
Öffentlichkeit kann nicht beurteilen, ob ein Sachverhalt eine tatsächliche
Bedrohung darstellt, noch wird man sie entscheiden lassen können und wollen,
welche Maßnahmen zu treffen sind. Aber die Öffentlichkeit wird mehrheitlich die
Aussage des eigenen Präsidenten als wahr, die gegenteilige Aussage des
Beschuldigten als Propaganda abtun. Denn man hat ja das Bild gesehen.
Desinformation ist
so ein Mittel der Regierenden, Geheimdienste liefern auf Befehl die Zutaten
oder haben das Problem vorher selbst geschaffen.
Das geht von der
Kuba-Krise (Kennedy) über die Giftgasfabrik in Libyen (Clinton) bis zum 1. und
2. Golfkrieg (Bush sen. und jun.). Immer wollte man die breite Öffentlichkeit dazu
überreden, sich selbst zu überzeugen, dass man wahrhaftig, edel und gut wäre und
die anderen irrational und böse. Und stets versuchte man, mit derartigen
Desinformation bestimmte eigene Strategien zu verfolgen, die nichts mit den
Darstellungen an sich zu tun hatten. Im Falle der Kuba Krise steuerte man wegen
ein paar Raketen an der türkischen (!) Grenze die Welt an den Abgrund eines
Atomkrieges. Und die Desinformation der Kennedy-Regierung dauerte noch lange an, denn mit
der UdSSR war Stillschweigen über den wahren Streitpunkt vereinbart worden.
Das erinnert uns an folgende Denksportaufgabe: Ein Wanderer
kommt an eine Weggabelung und will einen Dorfbewohner nach dem Weg fragen. Er
weiß, dass die Bewohner von Dorf A immer lügen, während die Bewohner von Dorf B
stets die Wahrheit sagen. Welche Frage stellt er, um sich richtig zu
orientieren?
Wer die richtige
Lösung dieser Denksportaufgabe weiß, wird wissen, dass der Wanderer danach wohl
sicher nach Dorf A oder B kommen kann, aber immer noch nicht weiß, ob er mit
einem Lügner oder mit dem Ehrlichen gesprochen hat. (Die Lösung steht am Ende dieses Artikels.)
Wäre aber der Lügner von Anfang an bekannt, so gäbe es keine
Probleme und natürlich auch keine Denksportaufgabe. Desinformation ist somit
keine Lüge, keine Propaganda, welche die Zielpersonen glauben oder nicht glauben
können, sondern die Darlegung von Argumenten und Hilfen zur eigenen Überzeugungsarbeit
der Desinformierten.
Geheimdienste betreiben Desinformation mit Doppelagenten oder
enttarnten Agenten, denen man den Zugriff auf falsche Informationen ermöglicht.
Davon bekommen die Bürger nichts mit.
Arbeitet aber der Geheimdienst im Auftrag der Regierung, um
z. B. eine bestimmte Ideologie durchzusetzen, werden sie nicht zum Politiker,
Gewerkschaftler, Liedermacher gehen und ihn zu agitieren versuchen. Sondern sie
werden das finanzieren, was ein Politiker, Gewerkschafter, Buchautor benötigt und in der Regel nicht hat.
Man gründet deshalb
potente Verlage über Tarnfirmen, stiftet
Kulturzentren und Bibliotheken usw. Bereits jetzt braucht der Geheimdienst in
diesen Firmen jeweils nur noch einen Agenten. Er ist offiziell der Vertreter der
Kapitaleigner, sprich: Tarnorganisation.
So hat sich schon
mancher Buchautor gewundert, welch fürstliche Bedingungen ihm der Verlag
gewährte, während andere Autoren keinen Verlag fanden. Und die Parteimitglieder
fragten sich, wer das teure Werbematerial finanzierte. Die Gewerkschaftler sind
dankbar für den gesponserten Bildungsurlaub, die Demonstranten bekommen von
einem Unterstützer eine Menge Geld gespendet usw.
Hier erscheint also Desinformation als Lenkungsmechanismus,
bestimmte genehme Überzeugungen zu fördern. Und wenn eine Großmacht dahinter
steht, sind die Argumente schlagend. Die eigentliche Lüge besteht darin, die
Öffentlichkeit glauben zu machen, dass in freier Diskussion sich die Mehrheit
für das oder jenes entschieden hätte. Die Diskussion war schon frei, nur hat der
eine seine Argumente über das Megaphon verbreitet und der andere über die
Sender von elf Rundfunkanstalten und zwei Buch- und Zeitschriftenverlage. Und
natürlich entsteht so auch der eine oder andere Kinofilm. Erkennen die
Filmproduzenten einen gewissen Trend und ein zunehmendes Interesse an einer
bestimmten Problematik, so wird die Katastrophe auf der Leinwand
fortgeschrieben. Auch hier benötigt man keine direkte Intervention von
Geheimdiensten mehr. Ist die durchs Dorf getriebene Sau erst einmal los
gelassen, wird sie zum Selbstläufer.
(Kommunisten sind
für eine solche Strategie allerdings zu dumm. Historisch betrachtet, haben sie
sich wegen kleinkarierter ideologischer Facetten um die wahre Auslegung ihrer
geisteskranken Ideologie regelmäßig selbst umgebracht.)
Desinformation
funktioniert auf Grund der Tatsachen, dass die Überprüfung von Informationen in
der Regel wesentlich teurer ist als die Information selbst, der Nutzen der
Desinformation aber wesentlich größer ist, als die Kosten für den Aufbau der
Scharade es sind.
(Auch dieser
Eintrag ist eine Information. Sicher lassen sich andere Definitionen zum Begriff
»Desinformation« finden. Letztendlich bleibt den Lesern eine Falsifikation
unserer Aussagen nicht erspart.)
Auflösung der Denksportaufgabe: Der Wanderer fragt den Dorfbewohner, welchen Weg
der Bewohner des Nachbardorfes empfehlen würde. Dann ist das Gegenteil der
Aussage wahr.
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