Alles über die Romane von Heinrich Eichenberger

 
Hubert W. Holzinger Verlag, Berlin - Protagonisten
Geheimdienstlexikon

Geheimdienst Lexikon (kommentiert)

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Desinformation

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Verrat

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Legende

   
       
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- Desinformation - 

»Mit Desinformation bezeichnet man die Verbreitung falscher oder irreführender Informationen. Motivation der Desinformation ist, wenn sie nicht tatsächlich irrtümlich geschieht, die Beeinflussung der öffentlichen Meinung oder die Beeinflussung von Gruppen oder potenziellen Käufern, wobei möglicherweise die bewusste Irreführung nur von der obersten zuständigen Ebene geplant und entschieden wird und z. B. Massenmedien z. T. selbst in die Irre geführt werden und diese Falschinformationen in evtl. guter Absicht verbreiten. [...]

Desinformation kommt besonders häufig in totalitären Systemen vor. In Ländern mit freier, pluralistischer Presse ist Desinformation um einiges erschwert, da sie enttarnt und durch Recherche widerlegt werden kann; sie findet jedoch auch hier regelmäßig von verschiedensten Seiten statt, muss aber um einiges subtiler betrieben werden, um langfristig Erfolg zu haben. So wendet etwa die amerikanische Regierung zur Verschleierung von verdeckten Operationen ihrer Geheimdienste gegenüber der Öffentlichkeit das Konzept der Glaubhaften Abstreitbarkeit (engl. plausible deniablity) an«, schreibt u. a. Wikipedia.

Wir glauben allerdings, dass die Häufigkeitsverteilung umgekehrt ist. Besonders häufig sind Bürger der freien Welt Opfer von Desinformationsstrategien.

Das totalitäre Regime hat nur die Diktatoren als mögliche Quellen der Desinformation. In pluralistischen Gesellschaftsordnungen dagegen gibt es eine Vielzahl von Akteuren, die mit dem Mittel der Desinformation bestimmte Ziele verfolgen können. Sind Geheimdienste involviert, so handeln sie im Auftrag ihrer Regierungen oder zur Abwehr gegnerischer Maßnahmen oder auf Grund sich eingebildeter Omnipotenz irgendeiner Figur. Das kann ein Hauptabteilungsleiter im Dienst selbst oder ein Politiker sein. Alles ist möglich, arbeitet man auch innerhalb einer Behörde verdeckt.

 

Wem nutzt es?

 

Der Wirtschaftsnobelpreisträger Milton Friedman diskutiert in seinem Buch »Kapitalismus und Freiheit« die Frage, inwieweit man im Sozialismus in der Lage wäre, gegen diesen zu opponieren. Friedman macht eine derartige Agitation an wirtschaftlichen Aspekten fest und kommt zu dem Schluss, dass der Zentralplan dem Individuum nicht die Möglichkeit einräume, z. B. ein entsprechendes Buch herauszugeben. Weil der Wert eines Produktes ja nicht durch das Individuum, sondern von den Herrschenden bestimmt wird. Im Gegensatz dazu, schreibt Friedman, bräuchte ein Gegner des Kapitalismus lediglich einen einzigen Reichen (z. B. einen Verleger) davon zu überzeugen, dass dieses Buch oder Propagandaprojekt ihm eine hohe Rendite einbringen würde und schon wäre das Projekt geboren. Und wohlgemerkt, der Finanzier des Buches oder des Projekts muss nicht davon überzeugt sein, dass die Idee gut, stichhaltig, wahr oder sonst eine Eigenschaft hätte. Er muss nur von den Renditechancen überzeugt werden. Eine darauf zu entwickelnde, gute Marketingstrategie ist wiederum Folge der Renditeaussichten und keinesfalls Ausdruck irgendeiner anderen Überzeugung. Dem Bürger erscheint aber die gute Marketing- und PR-Aussage nicht als Renditeverlangen, sondern als Bekundung einer Überzeugung, in die man viel Geld investierte.

Wenn man in dieser Argumentationsfolge die politischen, kulturellen oder gesellschaftlichen Diskussionen der Vergangenheit und der Gegenwart auf den wirtschaftlichen Erfolg reduziert, wird man einerseits nur schwer noch die Urheber finden, andererseits auf Grund der sich gebildeten eigenen Meinung nicht glauben wollen, dass an vielen »Wahrheiten« nicht viel Wahres dran ist. Anders formuliert: Desinformation hat zur Folge, dass die Zielpersonen annehmen, sich von dem Wahrheitsgehalt bestimmter Aussagen überzeugt zu haben. (Und das ist bereits ein wesentlicher Unterschied zur Wirkung von Propaganda in totalitären Staaten.)

Ist eine genügende Masse an Menschen in einer Demokratie von etwas (auch fälschlicherweise) überzeugt, werden die auf Wiederwahl angewiesenen Politiker diese Überzeugung adaptieren und damit die Desinformation verstärken, auch wenn sie nicht selbst Urheber der Desinformation sind.

Wer z. B. kein Klimaforscher ist, wird wissen wollen, dass sich die Klimaforscher einig wären, dass wir auf eine Erderwärmung in Folge der Kohlendioxid-Emissionen zusteuern. Doch es gibt unter den Klimaforschern keine Einigkeit. Manche ernsthafte Wissenschaftler befürchten nämlich, dass sich das Klima auf eine neue Eiszeit zu bewegt. Und das sind keine bestochenen Elemente der Erdöl-Atom-Lobby. (Vgl. http://wkserv.met.fu-berlin.de/Beilagen/2009/WK_SO_03_09_1.pdf)

Aber natürlich ergreifen nun sofort irgendwelche Leser Partei. Vielleicht betrachten es manche bereits als Desinformation, nur darauf hinzuweisen, dass es keine Einigkeit unter den Klimaforschern gibt.

Und genau so wirkt Desinformation!

Allerdings sollte man Desinformation nicht mit Propaganda verwechseln oder mit dem Grad der Informationsmenge. Das totalitäre Regime wird sehr viele Meinungen und Informationen zu unterdrücken versuchen, während dies in freien Gesellschaftsordnungen schwieriger ist, aber ebenfalls nicht unmöglich.

Desinformation ist nämlich nicht die Aussage, die man glaubt oder nicht glaubt, sondern die falsche Information, welche die Empfänger als wahr verifiziert haben.

(Siehe aber auch unter dem Stichwort → Legende die Abgrenzung zu Lügen.)

 

Desinformation ist die Kunst, andere dazu zu überreden, sich von etwas Bestimmten zu überzeugen.

 

Unter dem Gesichtspunkt der Desinformation kommt es dann nicht darauf an, ob z. B. die eifersüchtige Ehefrau fragt, ob der Mann wieder diese bestimmte Frau getroffen hätte, sondern darauf, dass sie keinen Grund erkennt, derartiges zu fragen. Hat der Mann also der Frau erzählt, er wäre auf einer Tagung gewesen, obwohl er mit einer Freundin unter der Dusche stand und die Seife suchte, ist der Anruf eines fingierten Tagungshotels bei der Frau, der Gatte hätte einen Teil seiner Tagungsunterlagen liegen lassen, eine Aufforderung, zu der Überzeugung zu kommen, dass alles wahr sein müsse. Und nebenbei bemerkt: Bei dieser Desinformation wird das Opfer zum Helfer umfunktioniert. Die Frau wird zur Problemlösung arrangiert und zementiert damit ihre eigene Fehlvorstellung. Die Frau bestätigt nochmals die heimatliche Adresse und bekommt die (fingierten) Unterlagen per Post zugeschickt. Scheinbar hat sie es jetzt schriftlich, dass ihr Gatte auf einer Tagung war.

 

Interesse an Desinformation haben alle, die daraus einen Nutzen ziehen können. Und das sind nicht nur Regierungen, Parteien, einzelne Politiker, Interessensverbände, Behörden (sehr oft die Finanzbehörden), Glaubensgemeinschaften und Privatpersonen, sondern sehr schnell eine Masse von Profiteuren, Verwertern, Interpreten aus der zweiten Reihe.

Der Artikel, dass die Welt untergeht, verkauft sich eben besser als ein Interview mit der Sozialministerin.

Je mehr Leute sich überzeugt zeigen, dass eine bestimmte Information wahr wäre, desto mehr Leute haben in diese Überzeugung investiert: gedanklich, argumentativ, monetär. So setzt ein Beharrungsvermögen ein und man sucht bei gegenteiligen Informationen sofort Gründe, den entsprechenden »Störer des Meinungsfriedens« unglaubwürdig erscheinen zu lassen. Man spricht nicht von ungefähr von »Auffassung« und »Meinungsbildung«. Die Verben fassen und bilden sind im handwerklichen Bereich Tätigkeiten, also Investitionen an Kraft und Zeit. Kein Wunder, dass man einmal Gefasstes nur ungern wieder loslassen will. (Angler und Babys werden dies bestätigen können.) Dass man sich zur Meinungsbildung ungeeigneter Mittel und Quellen bediente, kommt den Desinformierten überhaupt nicht in den Sinn.

 

Rückwärtige Fäulnis schafft Vertrauen

 

Nur wer die Merkmale und Mechanismen der Desinformation kennt, wird wissen, dass die naheliegenden und präsentierten Mittel, eine bestimmte Aussage auf wahr oder nicht wahr zu überprüfen, Mittel der Desinformation selbst sind und deshalb diese immer wieder als wahr bestätigen werden.

Während der Lügner selbst behauptet, lässt die Desinformation behaupten. 

Die meisten Informationen können die Informationsempfänger jedoch mit ihren Mitteln überhaupt nicht überprüfen. Eine beliebte Methode der Desinformation besteht darin, Beweismittel anzubieten, die ohne spezifisches Fachwissen der Betroffenen selbst nicht überprüft werden können.

Ein nahezu perfektes Mittel dafür ist die Statistik. (Im Kalten Krieg stellte man z. B. die Waffen der UdSSR denen der USA gegenüber und der Laie war von der Überlegenheit der Sowjetunion überzeugt.)

Oftmals ist Statistik auch für Akademiker ein Buch mit sieben Siegeln. Und musste man sich während des Studiums damit befassen, hat man die Grundlagen bald wieder vergessen.

So ist es leicht, mit konkreten Prozentzahlen irgendetwas angeblich zu beweisen. Im gesellschaftlichen Diskurs operieren die jeweiligen Interessensgruppen mit sog. repräsentativen Umfragen. Für viel Geld werden bei Meinungsforschungsinstituten Umfragen in Auftrag gegeben und deren Ergebnisse den Laien präsentiert.

Wie z. B. etwa 1.300 befragte Personen ca. 40 Millionen Bürgern repräsentieren können (das sind 0,0033 Prozent), wird einem mathematischen Laien erst dann bewusst, wenn man ihn fragt, ob er meine, dass 10 blind aus einem Sack gezogene farbige Kugeln die Farbzusammensetzung von 300.000 Kugeln im Sack repräsentieren würden.

Was schnell offensichtlich wird, tünchen die Desinformationsstrategen mit dem Terminus »gewichtete Stichprobe«. Man will glauben machen, dass die Einzelbefragungen nach Herkunft, Beruf, Stand, Alter und Einkommen auf die entsprechenden soziologischen Daten hochgerechnet werden. Doch auch dies funktionierte nicht, weil bereits wenige Kriterien zu über 1.000 Schichtungsmöglichkeiten anwachsen. (Ein armer und ein reicher Fensterputzer und ein junger sowie ein alter, einer in Bayern und der andere aus Bremen ergeben bereits acht Schichtungsunterschiede.)

Wenn z. B. Wahlprognosen (nicht zu verwechseln mit Hochrechnungen) dann trotzdem für bestimmte Parteien manchmal in etwa stimmen, so hat dies nichts mit der Umfrage zu tun, sondern mit dem unwissenschaftlichen Hokuspokus, den die Meinungsforschungsinstitute hinter den Kulissen betreiben. Die Befragungen spielen nämlich keine wirkliche Rolle, sondern man vertraut auf eine gewisse Stabilität der Wähler und schreibt diese je nach Stimmung in die eine oder andere Richtung fort. Richtige Ergebnisse sind deshalb Zufall. Und die Hinweise auf die Umfragen sind die Nebelkerzen, welche die Desinformation als Wahrheit zementieren sollen. Da nur eine dieser Umfragen alle vier Jahre tatsächlich auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft werden kann, weil auch tatsächlich Wahlen sind, erzählt man seit Jahren die Geschichte vom »sprunghaften Wechselwähler«.

(Vgl. dazu »Meinungsforschung: Wissenschaft oder Lotterie?«, Dr. Markus Bohn, Kornwestheim, 06.03.1988)

Im medizinischen Bereich sind die Fehlvorstellungen noch weitaus gravierender und vor allem gefährlicher. Dass eine bestimmte Medikation das Herzinfarktrisiko um 60 Prozent verringert, freut die Patienten. Würde der gleiche Informationsgeber dazu sagen, dass sich dadurch die Lebenserwartung nicht erhöht, weil die Menschen stattdessen an Krebs sterben, die Freude wäre erloschen und das Desinformationsziel (Medikamentenverkauf) der Publikation verfehlt.

Die Überprüfung von Informationen ist eine Frage von Macht und Wissen. Dabei überschätzen Menschen generell

- die Verpflichtung des Informationsgebers zur differenzierten Aussage

- die Verpflichtung zur Wahrheit

- die Schwierigkeiten des Gegenbeweises

- die Straffreiheit des Belassens von Fehlvorstellungen

- die Fähigkeiten der Informationsvermittler (Medien, Journalisten etc.)

Eine über eine Nachrichtenagentur verbreitete Meldung hat gute Chancen, über unterschiedliche Medien gleich mehrfach zu den Informationsempfängern zu gelangen. Erfolgt die Überprüfung auf den Wahrheitsgehalt der Meldung dadurch, dass man sich über unterschiedliche Medien informiert, verifiziert man bestenfalls die Halbwahrheit mit der Halbwahrheit. Auch unterschiedliche Experten zu der Thematik befragt, machen die Sache nicht besser, weil der Journalist in der Regel die Experten mit der Information konfrontiert und um schnelle Stellungnahme bittet. Der sog. Experte ist dann wiederum Opfer der ursprünglichen Desinformation. Und sei seine diesbezügliche Stellungnahme noch so vorsichtig und differenziert, bereits sein Name und seine wissenschaftliche Reputation machen ihn zum (gefühlten) Zeugen eines Sachverhalts, den er in Wirklichkeit überhaupt nicht bezeugen kann.

Es sind die fortdauernden Veröffentlichungen von scheinbar Konkretem (Umfragen), das nicht konkret sein kann, es sind die ständige Auslassungen von Wesentlichem, das die Kernaussagen relativieren, wenn nicht aufheben würde, die Vertrauen schaffen.

Auch ein Apfel kann fotografiert werden, ohne dass die faule Stelle auf der Rückseite zu sehen ist. Die Perspektiven vorne, rechts, links, Mitte und der Sonderbericht »Alles von vorn!« zeigen aber auch in der 100. Wiederholung die faule Stelle nicht.

 

Desinformation ist behaupten lassen

 

Während die Meinungsumfrage angebliche Mehrheiten behaupten lässt, also sich eines demokratischen Anscheins bedient, lassen Bilder die Wirklichkeit behaupten. Das Bild des obigen Apfels braucht deshalb niemand zu fälschen, noch nicht einmal der Fotograf muss korrumpiert werden.

Generell behauptet bei der Fotografie nicht das fehlbare Individuum die dumme Masse, sondern die Wirklichkeit. Gleichzeitig ist die Behauptung eines Bildes eindrucksvoller als jeder Text.

Zeigte z. B. der amerikanische Präsident ein Foto eines Aufklärungssatelliten und darauf wäre Donald Duck zu sehen, dann brauchte er nur noch zu sagen: »Wir haben ihn gefunden!« Zeigte das Bild aber eine Giftgasfabrik im Vatikan, müsste er dies den Fernsehzuschauern zuerst erläutern. Denn die Laien würden ohne entsprechende Erklärung die Aufnahme nicht als Giftgasfabrik erkennen. Bereits diese Banalität ist den Betrachtern von Bildern nicht bewusst.

Da Bild und Erklärung eins werden, entsteht unmittelbar der Eindruck, dass hier eindrucksvolle Tatsachen vorliegen. Werden Bilder mit Zeichnungen und Montagen abgewechselt, können Laien in ihrem Bewusstsein die Zeichnung und Montage vom Bild nicht mehr trennen. So wird den Texten, Zeichnungen und Bildmontagen der gleiche Wirklichkeitsgehalt zugebilligt wie der Fotografie, welche man ohne Erläuterung überhaupt nicht erkannt und verstanden hätte.

Die Frage lautet deshalb nicht, stimmt der Text zum Bild, sondern: Warum zeigt der Präsident dieses Bild der Öffentlichkeit?

Es gibt eigentlich keinen triftigen und rechtschaffenen Grund, ein derartiges Bild zu veröffentlichen. Denn der Papst hat ein Telefon wie die anderen Regierungschefs ebenfalls. Wer keinen Krieg will und auch sonst keine unehrenhafte Absichten verfolgt, braucht die Öffentlichkeit nicht zu mobilisieren. Denn die Öffentlichkeit kann nicht beurteilen, ob ein Sachverhalt eine tatsächliche Bedrohung darstellt, noch wird man sie entscheiden lassen können und wollen, welche Maßnahmen zu treffen sind. Aber die Öffentlichkeit wird mehrheitlich die Aussage des eigenen Präsidenten als wahr, die gegenteilige Aussage des Beschuldigten als Propaganda abtun. Denn man hat ja das Bild gesehen.

Desinformation ist so ein Mittel der Regierenden, Geheimdienste liefern auf Befehl die Zutaten oder haben das Problem vorher selbst geschaffen. Das geht von der Kuba-Krise (Kennedy) über die Giftgasfabrik in Libyen (Clinton) bis zum 1. und 2. Golfkrieg (Bush sen. und jun.). Immer wollte man die breite Öffentlichkeit dazu überreden, sich selbst zu überzeugen, dass man wahrhaftig, edel und gut wäre und die anderen irrational und böse. Und stets versuchte man, mit derartigen Desinformation bestimmte eigene Strategien zu verfolgen, die nichts mit den Darstellungen an sich zu tun hatten. Im Falle der Kuba Krise steuerte man wegen ein paar Raketen an der türkischen (!) Grenze die Welt an den Abgrund eines Atomkrieges. Und die Desinformation der Kennedy-Regierung dauerte noch lange an, denn mit der UdSSR war Stillschweigen über den wahren Streitpunkt vereinbart worden.

 

Das erinnert uns an folgende Denksportaufgabe: Ein Wanderer kommt an eine Weggabelung und will einen Dorfbewohner nach dem Weg fragen. Er weiß, dass die Bewohner von Dorf A immer lügen, während die Bewohner von Dorf B stets die Wahrheit sagen. Welche Frage stellt er, um sich richtig zu orientieren?

Wer die richtige Lösung dieser Denksportaufgabe weiß, wird wissen, dass der Wanderer danach wohl sicher nach Dorf A oder B kommen kann, aber immer noch nicht weiß, ob er mit einem Lügner oder mit dem Ehrlichen gesprochen hat. (Die Lösung steht am Ende dieses Artikels.)

Wäre aber der Lügner von Anfang an bekannt, so gäbe es keine Probleme und natürlich auch keine Denksportaufgabe. Desinformation ist somit keine Lüge, keine Propaganda, welche die Zielpersonen glauben oder nicht glauben können, sondern die Darlegung von Argumenten und Hilfen zur eigenen Überzeugungsarbeit der Desinformierten.

Geheimdienste betreiben Desinformation mit Doppelagenten oder enttarnten Agenten, denen man den Zugriff auf falsche Informationen ermöglicht. Davon bekommen die Bürger nichts mit.

Arbeitet aber der Geheimdienst im Auftrag der Regierung, um z. B. eine bestimmte Ideologie durchzusetzen, werden sie nicht zum Politiker, Gewerkschaftler, Liedermacher gehen und ihn zu agitieren versuchen. Sondern sie werden das finanzieren, was ein Politiker, Gewerkschafter, Buchautor benötigt und in der Regel nicht hat.

Man gründet deshalb potente Verlage über Tarnfirmen, stiftet Kulturzentren und Bibliotheken usw. Bereits jetzt braucht der Geheimdienst in diesen Firmen jeweils nur noch einen Agenten. Er ist offiziell der Vertreter der Kapitaleigner, sprich: Tarnorganisation.

So hat sich schon mancher Buchautor gewundert, welch fürstliche Bedingungen ihm der Verlag gewährte, während andere Autoren keinen Verlag fanden. Und die Parteimitglieder fragten sich, wer das teure Werbematerial finanzierte. Die Gewerkschaftler sind dankbar für den gesponserten Bildungsurlaub, die Demonstranten bekommen von einem Unterstützer eine Menge Geld gespendet usw.

Hier erscheint also Desinformation als Lenkungsmechanismus, bestimmte genehme Überzeugungen zu fördern. Und wenn eine Großmacht dahinter steht, sind die Argumente schlagend. Die eigentliche Lüge besteht darin, die Öffentlichkeit glauben zu machen, dass in freier Diskussion sich die Mehrheit für das oder jenes entschieden hätte. Die Diskussion war schon frei, nur hat der eine seine Argumente über das Megaphon verbreitet und der andere über die Sender von elf Rundfunkanstalten und zwei Buch- und Zeitschriftenverlage. Und natürlich entsteht so auch der eine oder andere Kinofilm. Erkennen die Filmproduzenten einen gewissen Trend und ein zunehmendes Interesse an einer bestimmten Problematik, so wird die Katastrophe auf der Leinwand fortgeschrieben. Auch hier benötigt man keine direkte Intervention von Geheimdiensten mehr. Ist die durchs Dorf getriebene Sau erst einmal los gelassen, wird sie zum Selbstläufer.

(Kommunisten sind für eine solche Strategie allerdings zu dumm. Historisch betrachtet, haben sie sich wegen kleinkarierter ideologischer Facetten um die wahre Auslegung ihrer geisteskranken Ideologie regelmäßig selbst umgebracht.)

Desinformation funktioniert auf Grund der Tatsachen, dass die Überprüfung von Informationen in der Regel wesentlich teurer ist als die Information selbst, der Nutzen der Desinformation aber wesentlich größer ist, als die Kosten für den Aufbau der Scharade es sind.

 

(Auch dieser Eintrag ist eine Information. Sicher lassen sich andere Definitionen zum Begriff »Desinformation« finden. Letztendlich bleibt den Lesern eine Falsifikation unserer Aussagen nicht erspart.)

 

***

 

Auflösung der Denksportaufgabe: Der Wanderer fragt den Dorfbewohner, welchen Weg der Bewohner des Nachbardorfes empfehlen würde. Dann ist das Gegenteil der Aussage wahr.

 

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