Ein Doppelagent ist ein Geheimdienstmitarbeiter, der auch
noch für den gegnerischen Geheimdienst arbeitet.
Es besteht die Möglichkeit, dass sich der Agent dem
gegnerischen Dienst angedient hat, dass der Agent vom gegnerischen Dienst
agitiert wurde oder dass er von der gegnerischen →
Abwehr
enttarnt und umgedreht, quasi erpresst wurde.
Die Unterscheidung zwischen reiner Agitation und Erpressung ist kein Widerspruch. Denn nur Agenten, auf welche die gegnerische
Abwehr
auch Zugriff hat, können mit Erpressung umgedreht werden.
Im Gegensatz dazu steht der
→
Überläufer durch Flucht.
Das
MfS
schleuste z. B. in den
BND
Agenten ein, die dort Karriere machten. Zum klassischen Doppelagenten wären
diese Leute jedoch nur geworden, hätten sie sich gegenüber des BND erklärt oder
auf Grund einer Enttarnung erklären müssen. Dann hätten sie anschließend dem MfS
Spielmaterial geliefert. Doch so war es nicht.
Der Doppelagent geht ein hohes Risiko ein, weil er im Falle
seiner Enttarnung als
Verräter gilt und der Apparat ein großes Interesse daran
hat, an ihm ein Exempel zu statuieren. Wie an anderer Stelle bereits erwähnt,
geschieht dies weniger aus Rache, sondern als Signal in den eigenen Apparat
hinein (→
Überläufer).
Der enttarnte und umgedrehte Doppelagent hat wenig
Entscheidungsspielraum, oftmals heißt die Alternative langjährige
Gefängnisstrafe oder Hinrichtung. Wird der Doppelagent mit Erpressung umgedreht,
tut er gut daran, dieses Umdrehen ebenfalls zu verraten bzw. auf keinen Fall
die alte Heimat zu besuchen. Die Agenten, die das Hitler-Regime nach England
einschleuste, wurden vom MI5 alle umgedreht. Und laut Auskunft der
Stasi-Unterlagenbehörde waren ca. 90 Prozent der BND-Agenten in der DDR von der Stasi enttarnt und ebenfalls
umgedreht worden.
Der Doppelagent muss davon überzeugt sein, dass der fremde Apparat,
dem er sich andient, gut organisiert ist, eine funktionierende Abwehr hat und
entsprechende operative Fähigkeiten besitzt. Der
BND
in der alten BRD hatten in dieser Beziehung keinen guten Ruf.
Im großen Spiel »Spion gegen Spion« hat jeder Geheimdienst
ein großes Interesse daran, den gegnerischen Dienst zu infiltrieren und damit in
Erfahrung zu bringen, was der weiß und welche Operationen laufen oder geplant
sind. Es ist immer schwer, einen Sachverhalt zu schätzen, der im Grunde von
beiden Seiten geheim gehalten wird. Der Geheimdienstmann Eichenberger schreibt
in seinem Roman »Der
Siegermacher« zu den Größenordnungen folgendes:
»...das war auch klar, nur den
Bürgern der jeweiligen Staaten nicht bewusst: Zwei Drittel jedes
Geheimdienstetats gingen für die Verwaltung drauf. Ein Sechstel der Gelder
wurde für Operationen verwendet, die ausschließlich in der Abwehr und
Überwachung befreundeter oder gegnerischer Agenten bestand und das restliche
Sechstel war tatsächlich Geld für operative Maßnahmen.«