Alles über die Romane von Heinrich Eichenberger

 
Hubert W. Holzinger Verlag, Berlin - Protagonisten
Geheimdienstlexikon

Geheimdienst Lexikon (kommentiert)

D

M

U

Desinformation

MAD

Überläufer

Doppelagent

 

 
  MfS

V

E   Verfassungsschutz
Eigensicherung

O

Verrat

A

 

Observation

Verzögerungszeit

Abwehr

G

   

Abhörmaßnahmen

Geheimdienst

S

W

Abhörschutz

 

Schläfer Wanzen

Agent

K Selbstläufer Wirtschaftsspionage
 

Kurier

SIS  

B

  Spionage  

BND

L Stasi  
Briefkasten (toter)

Legende

   
       
- - - -

- Überläufer - 

Ein Überläufer ist ein Mitarbeiter eines Geheimdienstes, der sich der Gegenseite offenbart.

Das Überlaufen kann durch Flucht oder durch Andienung geschehen.

Ein bekannter Überläufer des MfS war deren Oberleutnant der Hauptverwaltung Aufklärung Werner Stiller. Er flüchtete am 19. Januar 1979 mit einem gefälschten Dienstauftrag nach West-Berlin. Stiller lieferte dem BND die Namen von über 50 DDR-Agenten, die im westlichen Ausland operierten. 40 Agenten wurden vom MfS rechtzeitig gewarnt und konnten sich durch Flucht in die DDR der Strafverfolgung entziehen. Dass der BND zuvor bereits mit Stiller in Kontakt gestanden hatte, wird angezweifelt und in die Kategorie Selbstdarstellung einer überraschten Behörde eingeordnet.

Aus der Perspektive eines Überläufers ist eine vorherige Kontaktaufnahme mit der anderen Seite nämlich ein zusätzliches Risiko. Es sei denn, die andere Seite müsste bei der Flucht Hilfe leisten. Bei Stiller war dies aber nicht notwendig.

Die Informationen, die ein flüchtender Überläufer der Gegenseite übergeben kann, sind naturgemäß begrenzt und unterliegen einer äußerst kurzen Halbwertzeit (ihr Wert schwindet rapid). Danach wird der Überläufer für den Dienst eher zur Belastung. Man muss den Überläufer schützen, ihm eventuell eine andere Identität geben usw.  Stiller wurde in Abwesenheit von der DDR-Justiz zum Tode verurteilt und ein Stasi-Kommando sollte ihn finden und entführen oder töten. (Die CIA z. B. entführte Hunderte missliebige Personen und beförderte sie in die USA oder in kooperierende andere Staaten.)

Im Roman »Faule Eier« beschreibt der Geheimdienstmann Eichenberger eine derartige Situation so:

Sie wusste, hier fand in einer für Sir Alec offenbar äußerst wichtigen Sache ein Verhör statt, das Agenten in dieser Welt nur dann erleben, wenn sie der Kollaboration mit dem Feind verdächtigt werden.
Konnte sie diesen unterschwelligen Verdacht nicht vollständig ausräumen, so würde der schöne und interessante Job an der Seite von Richard zerplatzen wie eine Seifenblase. Das könnte sie noch verkraften, denn sie kam aus wohlhabendem Haus. Doch würden Herren wie dieser Sir zu der Erkenntnis kommen, dass sie ein doppeltes Spiel spielte, sie müsste um ihr Leben fürchten. Doppelagenten werden nämlich selten erschossen. Sie verunglücken mit Autos, stürzen mit Flugzeugen ab oder befinden sich plötzlich auf Schiffen, die in schwerer See untergehen. Auch das wäre nicht so schlimm. Doch man ließe sie noch ein paar Jahre in dieser Gewissheit leben, dass dort, wo sie hinflüchten würden, der tödliche Unfall auf sie wartete.

Den beiden KGB-Agenten, welche 1989 Daten der DDR-Auslandaufklärung an die CIA verkauften, ging es übrigens genauso, wie Eichenberger dies beschrieb. Beide starben unter mysteriösen Umständen.

Auch Stiller, der Überläufer, wird dies gewusst haben. Im Rückblick (mit dem Untergang der DDR) relativiert sich der gesamte Krieg der (deutschen) Schlapphüte sowieso.

Geheimdienste versuchen, ihre Verräter jedoch nicht aus Rache zu töten, sondern aus rationalen Überlegungen. Während der enttarnte Agent noch als Austauschobjekt wertvoll werden kann, ist der Überläufer bereits aus rechtspolitischen Erwägungen heraus nicht austauschbar. Die Verfolgung der Verräter geschieht als Signal in den eigenen Dienst hinein. Denn je höher ein Mitarbeiter in der Hierarchie eines Geheimdienstes steigt, desto wertvoller ist er für die Gegenseite. Und immerhin: Mit dem Überlaufen kann man Ehekrisen, finanzielle Sorgen, Frust mit der Behörde oder alles zusammen schlagartig beseitigen.

Wissen aber die Mitarbeiter eines Geheimdienstes, dass der Apparat sie bis ans Ende der Welt als Verräter verfolgen wird, relativieren sich derartige Verlockungen.

Der Überläufer durch Andienung bleibt im Einflussbereich des Apparates, den er verrät und wird damit zum Doppelagenten. Ein gefährliches Spiel.

Es ist ein Fall bekannt, bei dem ein BRD-Bürger sich beim MfS als Spitzel beworben hatte und genommen wurde. Im damaligen West-Berlin kundschaftete er dann Angriffe auf die Grenzanlagen aus. Irgendwann wurde ihm die Tätigkeit zu langweilig oder zu gefährlich und er diente sich dem britischen Geheimdienst an. Der MI6 übergab den Mann an die westberliner Behörde. Der Staatsschutz vertraute den Überläufer einem Agenten an, der selbst Spion der DDR war. Die Eigensicherung bundesdeutscher Behörden ließ nämlich schon immer stark zu wünschen übrig. So wurde der potentielle Doppelagent sofort für beide Seiten zur lahmen Ente. Folglich sperrten ihn die Westberliner wegen landesverräterischer Tätigkeit erst einmal weg.

Nach der Entlassung diente sich der verbrannte Doppelagent dem CIA an, der ihn ausbildete und nach Bulgarien schickte. Fast hätte er seinen Auftrag erledigt, doch da wurde ihm die Sache wieder zu gefährlich und er lief zum bulgarischen Geheimdienst über. Dieser fragte in der DDR nach Erkenntnissen an, fand welche und verurteilte den Mann zwischen allen Fronten zu 15 Jahren Haft. Nach drei Jahren starb er an einem angeblichen Selbstmordversuch und drei bis vier Geheimdienste schlossen ihre Akten.

Geheimdienstarbeit hinter den Fronten ist eine gefährliche Tätigkeit, weil der Agent grundsätzlich auch dann verhaftet werden kann, wenn er nichts falsch macht. Die eigene Behörde ist nicht sicher, der Einsatz wird verraten usw. Ein Doppelagent setzt sich diesem strukturellen Risiko doppelt aus.

 

-Die Bücher -Eichenberger -Übersicht
 

 
 
 
 
 
Das Zimmer des Agentenführers: Sir Alec

-Sir Alec

Richard, ein informeller Agent des MI6

-Richard

Mercedes, eine rassige Frau an der Seite von Richard
 

-Mercedes

 

Sharon, die tüchtige Sekretärin von Sir Alec

-Sharon

 

-Hintergründe

 

 
Bücher
Der Siegermacher, ein Agententhriller zwischen Fakten und Fiktion

Heinrich Eichenberger:
Der Siegermacher
Agentenroman
©2008, 406 Seiten
broschiert 21x14,3 cm
ISBN
978-3-926396-70-9
19,00 Euro / 29,90 SFR

 

-Buch kaufen

Faule Eier, ein neuer Fall für Sir Alec

Heinrich Eichenberger:
Faule Eier
Agentenroman
©2009, 304 Seiten
broschiert 21x14,3 cm
ISBN
978-3-926396-72-3
19,00 Euro / 29,90 SFR
 

-Buch kaufen

 
Autor
Heinrich Eichenberger, Geheimdienstmann und Autor

-H. Eichenberger

 
Holzinger-Verlag, Berlin

-Holzinger Verlag

-

 

     

© 2009 by Hubert W. Holzinger Verlag, Berlin  Impressum Haftungsausschluss Kontakt