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- Verrat - |
Wikipedia definiert Verrat als besonders
schweren Vertrauensbruch, der die angenommene Loyalität
verletzt.
Dieser Definition wäre eigentlich nichts hinzuzufügen, wenn
nicht alle Interessengruppen den Begriff nach Gutdünken für ihre Zwecke
missbrauchen würden.
Altbundeskanzler Helmut Kohl hatte nach eigenen Angaben
irgendwelchen Spendern versprochen, ihre Namen nicht zu nennen. Wenn wir
annehmen, dass dies wirklich so war, dann war es folgerichtig, dass er die Namen
dieser Spender nicht verriet. Denn eine bekundete Loyalität (hier: Spender /
Bundeskanzler) ist nichts wert, bricht man sie beim ersten seichten Wind. Dass
dieses Verhalten damals gegen nicht strafbewehrte Gesetze verstieß, ist eine
andere Sache und zeigt, dass es Loyalitätskonflikte geben kann. Der Altbundeskanzler
hatte sich aber entschieden und wurde durch die öffentliche
Diffamierungskampagne herabgewürdigt und teilweise gedemütigt. Verrat wäre für ihn
sicher der bequemere und einfachere Weg
gewesen.
Das Militär verwendet den Begriff Verrat, wenn Soldaten
fahnenflüchtig werden. Der Soldat hat seine Gruppe verraten. Das gilt für
Berufssoldaten sicher. Denn diese haben mit dem Staat einen Arbeitsvertrag
abgeschlossen und sich damit zur Loyalität verpflichtet. Warum man diesen Begriff für
Wehrpflichtige verwendet, ist nicht schlüssig. Es gibt keine Loyalität auf Grund
einer Geburt. Eine derartige Loyalität wäre so dumm wie Rassismus. Wenn der
Staat beschließt, junge Menschen zu unterbezahlten Tätigkeiten zu verpflichten,
ist das offenbar sein Recht, begründet aber keine Loyalität. Dass ein Staat über
die Begründung seines Gewaltmonopols auch die Loyalität derjenigen begründet,
bei denen er diese Gewalt spüren lässt, ist eine zynische Facette der Macht.
Folglich sollte man auf die Vereinbarung achten, die zwischen
zwei Menschen oder zwischen der Organisation und dem Individuum auf
freiwilliger Grundlage geschlossen wurde. Wer also Gehalt kassiert und sich vor der Arbeit drückt bzw.
sie sabotiert, ist demnach ein Verräter. Ob Soldat, Polizist, Lehrer, Angestellter,
Hilfsarbeiter oder Geheimagent, spielt dabei keine Rolle. Und wenn Politiker im
Wahlkampf versprechen, die sog. Mehrwertsteuer nicht zu erhöhen, es dann aber
trotzdem tun, haben sie ihre Wähler verraten. Und das apathische Volk straft sie
nicht ab.
Zwingen, erpressen oder nötigen allerdings Geheimdienste oder
Staatsanwaltschaften bestimmte Individuen zur Mitarbeit, können sie nicht von
Verrat sprechen, wechseln die Erpressten oder Genötigten die Fronten. So sollte man keine Loyalität annehmen, wenn nicht beide
Parteien sich diese in Freiheit bekundet haben. Da wir hier über Geheimdienste
schreiben, liegt die Betonung auf Freiheit. Weil so mancher
Geheimdienstmitarbeiter erfahren musste, dass dies seinen Dienstherrn nicht
kümmert, will er den als unzumutbar erkannten Vertrag lösen. Denn auch dies muss
möglich sein.
Das Lancieren von im Dienst erlangten Geheimnissen wäre dann
jedoch wieder Verrat, der auch entsprechend geahndet werden müsste. Verfolgt man
so manche Vorgänge in Deutschland oder in den USA, so zahlt es sich wohl aus,
lanciert man nach dem Quittieren des Dienstverhältnisses seine Kenntnisse an
die Presse. So hat jeder Opportunist einmal in seinem Leben die Chance,
diejenigen zu diskreditieren, von denen er Jahre, wenn nicht gar Jahrzehnte
profitiert hat.
Im Gegensatz dazu steht, dass Geheimdienste immer wieder ihre
eigenen Leute verraten, indem sie sich nach ihrer Verhaftung nicht zu ihnen
bekennen. Vgl. unsere diesbezüglichen Ausführungen →
Eigensicherung unten.
Ein gewisser Teil geheimdienstlicher Arbeit ist darauf
angelegt, die Mitarbeiter der Gegenseite zum Verrat zu überreden (→Abwehr
→
Überläufer). Je nach Perspektive ist dieselbe Person einmal Verräter ein
anderes Mal Freund oder sogar Patriot. Folglich liebt jeder den Verrat, weil er
Vorteile bringt und verabscheut den Verräter.
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